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Der Beachy Wohnwagen ohne Gas

Wohnwagen ohne Gas: Plug and Play auf dem Campingplatz

Wenn du, wie ich, zu den in Ehren ergrauten Camper:innen gehörst, dann sind Gasflaschen, kleine und große, Campinggaz, Butan oder Propan, eng mit dem Camperlifestyle verbunden. Das Gas gehört zum Camperdasein dazu wie über deine Parzelle latschende Mitcamper:innen, die ramponierte Markise nach dem Sturm, steinzeitliche  Sanitäranlagen, Kinderlachen und Hundegebell. Du hast im Laufe der Zeit gelernt, welchen Adapter du in welchem Urlaubsland brauchst, und wo dir der nette Tankwart noch verbotenerweise die Flasche füllt. Du weißt auch, dass Gasflaschen nach Murphys Gesetz immer zur Unzeit ein letztes trauriges Pfft von sich geben – nämlich nachts und bei Eiseskälte. Camping und Gas, das kann eine echte Hassliebe sein.

Vorteile vom Wohnwagen ohne Gas

Über Camping ohne Gas an Bord hast du trotzdem noch nicht nachgedacht (ich übrigens bis zu diesem Artikel auch nicht). Wohl aber verschiedene Hersteller von Caravans, der „Wohnwagen ohne Gas“ ist durchaus ein Zukunftsthema und ein ebensolcher Markt. Denn ein Großteil der Camper:innen braucht Gas eigentlich nicht wirklich, vor allem Neueinsteiger:innen haben Bedenken wegen zu wartungsintensiver und komplexer Bordtechnik. Da ein Wohnwagen ohne Gastechnik weniger Gewicht auf die Waage bringt, lässt er sich auch an schwachbrüstige Zugfahrzeuge hängen und mit einem normalen B-Führerschein in den Urlaub kutschieren.

Und mal ehrlich, wäre es nicht schön, abends auf dem Campingplatz anzukommen, und den Wohnwagen nur noch in den Strom zu stöpseln?

Wann ist ein Caravan ohne Gas sinnvoll?

Auf dem Markt sind unterschiedliche Konzepte verfügbar. Grundsätzlich ist für dich ein gasfreier Wohnwagen eine Überlegung wert, wenn

→ du hauptsächlich auf Campingplätzen residierst.
→ du im Wesentlichen von Frühjahr bis Herbst unterwegs bist.
→ dir unwohl beim Gedanken an Gas im Wohnwagen ist.
→ du Platz und Gewicht im Wohnwagen sparen möchtest oder musst.
→ du keine Lust auf Gasflaschen schleppen, tauschen und anschließen hast.
→ du dir die Gasprüfung sparen willst.
→ du nicht in eine Ausstattung investieren möchtest, die du nicht benötigst.

Zukunftsmusik

Fünf Takte Zukunftsmusik gefällig? Künftig wird es auch Wohnwagenmodelle geben, die über einen Stromantrieb verfügen und die Batterien des Zugfahrzeuges während der Fahrt aufladen. So stellte bereits 2019 Dethleffs den ersten Protoyp eines vollelektrischen, sich selbst antreibenden Wohnwagens vor: den E.Home Coco. Der Caravan hat einen eigenen Elektro-Antrieb, kompensiert damit den höheren Energieverbrauch durch den Anhängerbetrieb. Somit erreicht das Zugfahrzeug die gewohnte Reichweite auch mit Caravan im Schlepp. 2021 stellte Dethleffs zusammen mit weiteren Projektpartnern bei einer Caravan-Tour über die Alpen die Praxisreife des Konzepts unter Beweis. Bis zur Serienreife und Zulassungsfähigkeit wird es noch ein bisschen dauern. Aber auch andere Wohnwagenschmieden, wie zum Beispiel der US-Hersteller Airstream, arbeiten an vergleichbaren Konzepten.

Foto: © Dethleffs

Coole Modelle für gasfreien Wohnwagenbetrieb

Hobby Beachy

Hinter dem Beachy von Hobby steckt mehr als die Idee, ohne Gas auszukommen: Er verkörpert ein anderes Konzept von Camping. Das ist hygge, cool und minimalistisch. Die Handschrift der dänischen Designerin Anne Halskov ist unverkennbar und vereint skandinavischen Strandhausstil mit aufs Wesentliche reduzierten Campingcharme der 1950er Jahre. Natürliche Stoffe und Materialien dominieren das Interieur, das ganz ohne dunkle und schwere Möbelfronten auskommt. Und ohne Bad, Heizung, vollausgestattete Küche oder festverbautes Bett (die Sitzgruppe funktionierst du mit wenigen Handgriffen zur Liege- und Chillfläche um). Falls du ohne Toilette an Bord nicht campen magst, verstaust du ein PortaPotty im begehbaren Kleiderschrank. Und klar: Alles, was du im Beachy brauchst, läuft über Strom. Der kommt beim Beachy aus der Campingplatz-Steckdose. Das Konzept bringt dir jede Menge Gewichtsersparnis – die technisch zulässige Gesamtmasse liegt je nach Modell zwischen 900 und 1.200 Kilo.

Den Beachy gibt es als Varianten 360, 420 und 450, die beiden kleinen Modelle bieten zwei Erwachsenen mit Kind (oder Hund) Platz. Seid Ihr mehr Lebewesen an Bord, empfiehlt sich die größte Variante. Infos erhältst du über die Beachy-Homepage.

Foto: © Hobby Caravan

Knaus E.Power

Ein anderes Konzept verfolgt Knaus mit seiner E.Power-Linie. Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Spartanisch ist hier nichts. Der Hersteller hat sein vollelektrisches Konzept für zwei erfolgreiche Modellreihen adaptiert und bietet dir ausgewählte Sport- und Südwind-Grundrisse mit der neuen Technologie an. So hast du die Wahl zwischen zehn Sport E.Power Selection Modellen und drei Südwind Grundrissen mit E.Power Paket. Die gasfreie Ausstattung bringt laut Hersteller rund 50 Kilo weniger auf die Waage. Echter Clou: In der Küche hast du einen Kompressorkühlschrank und ein Induktionskochfeld zur Verfügung und für eine angenehme Temperatur in südlichen Gefilden sorgt eine Klimaanlage. Für einen reibungslosen Betrieb der Verbraucher an Bord sorgt die smarte Energiesteuerung. Sie schaltet Elektrogeräte hinzu, ab oder drosselt die Leistung, sodass die Sicherungen auf dem Platz nicht rausfliegen. Lediglich die Absicherung in Ampere (6A/10A/16A ) musst du vorab  einstellen, um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten. Wenn du gerne autark stehen möchtest, kannst du deinen ePower-Caravan mit dem „One Night Stand“-System nachrüsten, das aus Akku-Docking-Station und Wechselakku besteht, und dich für eine Nacht vom Landstrom befreit. Mehr Infos zum E.Power-System bekommst du bei Knaus.

Fotos: © Knaus Tabbert AG

Weinsberg CaraCito

Aus der selben Familie wie die Knaus-Modelle stammt der Weinsberg CaraCito. Er ist der erste komplett gasfreie Wohnwagen auf dem deutschen Markt. Das wegweisende Konzept konnte 2021 den European Innovation Award gewinnen. Im Modelljahr 2022 bekommt der CaraCito einen größeren Kompressorkühlschrank, das Ceranfeld weicht einem Induktionskochfeld. Auch im CaraCito sorgt eine intelligente Elektrosteuerung für die richtige Lastverteilung. Wie beim Knaus E.Power kannst du einen „One Night Stand“ nachrüsten. Serienmäßig ist eine Klimaanlage dabei, die Heizung liefert in kühlen Herbst- oder Frühlingsnächten Komforttemperatur. Das Interieur ist modern und schlicht; bei den Grundrissen hast du die Wahl zwischen fünf unterschiedlichen Varianten. Infos zu CaraCito erhältst du auf der Herstellerhomepage.

Fotos: © Knaus Tabbert AG

Campworks NS-1

Vergiss alles, was du bisher in diesem Artikel über gasfreie Wohnwagen gelesen hast, denn der NS-1 des amerikanischen StartUps Campworks ist komplett anders. Optisch fällt er unter die Rubrik „Teardrop“, technisch ins Segment „autark“ und „offroad“. Der Clou: der NS-1 bezieht seinen Strom ausschließlich über seine 240 Watt-Solarpanele (mehr Power gibt es gegen Aufpreis). Der kleine Hänger ist ein echter Offroader, mit dem du überall hinkommst – für Notfälle ist an Axt und Schaufel gedacht. Wie beim Minicaravan üblich ist die Küche in einem herausziehbaren Staufach untergebracht und enthält ein Induktionskochfeld mit zwei Platten sowie eine Spüle. Auch die Dusche befindet sich im Außenbereich. Das Interieur kann mit hochwertigen Materialien und solider Handwerksarbeit punkten. Ein Queen-Size-Bett, Heizung und Kühlung gibt’s ebenfalls. Du kannst dir außerdem deinen individuellen NS-1 nach deinen Wünschen zusammenstellen, zum Beispiel ein Dachzelt auf die Plattform installieren oder einen Smoker dazu kaufen. Leider gibt es in Europa wenig Outback, in dem der NS-1 all seine Vorzüge ausspielen kann, der relativ hohe Preis ist ein weiterer Wermutstropfen fürs Abenteurerherz. Zum Weiterträumen liefert dir die Herstellerhomepage weitere Inspiration.

Fotos: © Campworks

LMC-Studie – gaslos glücklich

Auch Hymer arbeitet an einer gaslosen Version seiner Wohnwagen. Die Innovationsstudie „Gaslos glücklich“ der Marke LMC hat laut Hersteller gezeigt, wie die Energieversorgung komplett ohne Gas funktionieren kann. Durch die nutzerfreundliche und einfach anzuschließende Plug-and-play-Lösung mit einem 230-Volt-Stecker, kann der Wohnwagen komplett elektrisch betrieben werden – von der Heizung über den Kühlschrank bis hin zum Herd. Allerdings ist die Technologie noch nicht serienreif. Einzelne Komponenten der Innovationsstudie, wie der gaslose Kompressorkühlschrank wurden bereits in die Serienproduktion übernommen.

Foto: © LMC

Gehörst du zum Team „Gas“ oder willst du doch lieber „gasfrei“ campen? Erzähle uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Titelbild: © Hobby Caravan

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